Informationen über Krankheiten und Schmerztherapie - Migräne

Zusammenfassung:


Migräne ist eine sehr schwerwiegende und heute weit verbreitete Volkskrankheit. Nach offizieller Angabe sind über 14 Millionen Menschen allein in Deutschland betroffen. Eine Migräne kann zu beträchtlichen Einschränkungen des täglichen Lebens führen, so daß guter Rat an dieser Stelle sehr zu empfehlen ist.

Die Vielschichtigkeit der Zusammenhänge und die unterschiedlichen Facetten der Erkrankung erfordern im ersten Schritt eine sehr genaue Abfrage der Krankheitszeichen und eine Untersuchung. Nur so kann die Diagnose „Migräne“ auch bestätigt werden und eine sinnvolle Therapie zum Einsatz kommen. Die Migräne ist zwar offiziell heute noch nicht heilbar, das Leiden kann aber mit professioneller Unterstützung auf ein Minimum an Beschwerden und damit Einschränkung der Lebensqualität gesenkt werden.

Migränearten & Symptome


Das typischste Merkmal einer Migräne sind anfallsartige, meistens halbseitige Kopfschmerzen (Hemikranie). Die Kopfschmerzen werden gewöhnlich als pulsierend, pochend und hämmernd beschrieben. Leichte bis starke Übelkeit, sogar bis hin zu Erbrechen, sowie Lärm- und Lichtempfindlichkeit können ebenfalls auftreten. Des weiteren kann es manchmal zu Seh- und Nervenstörungen kommen. Die Symptome treten oft aus heiterem Himmel heraus auf, weshalb man auch von einem „Migräneanfall“ beziehungsweise der „Migräneattacke“ spricht.

Die „IHS-Klassifikation von 1988“ beschreibt in erster Linie zwei Gruppen der Migräne:

1.

Migräne ohne Aura



2.

Migräne mit Aura


Des weiteren unterscheidet dann die IHS-Klassifikation (ebenso nach Göbel (1994)) wiederum verschiedene Typen. Diese sind:

1.

Migräne ohne Aura


2.

Migräne mit Aura


3.

Migräne mit typischer Aura


4.

Migräne mit Aura ohne Kopfschmerz


5.

Migräne mit akutem Aurabeginn


6.

Migräne mit prolongierter Aura


7.

Migräne mit der sog. „familiären hemiplegischen Aura“


8.

Ophthalmoplegische Migräne


9.

Retinale Migräne


10.

Basilaris-Migräne


11.

„Kindliche“ Migräne


12.

„Periodische Syndrome in der Kindheit“, als möglicher Vorläufer oder Begleiterscheinungen einer Migräne


13.

Alternierende Hemiplegie in der Kindheit


14.

Gutartiger paroxysmaler Schwindel in der Kindheit


15.

Migräneartige Störungen, die die genannten Kriterien nicht erfüllen



Darüber hinaus gibt es noch zwei sog. „Migräne-Komplikationen“: „Status migraenosus“ und „Migränöser Infarkt“.

Die genaue Einteilung in die einzelnen Migräne-Typen ist zum Teil sehr aufwendig, insofern sollen Ihnen die folgenden Erläuterungen lediglich einen Überblick schaffen.

Die Anfangssymptome einer Migräne mit Aura sind optische, (halbseitige) sensible und motorische Störungen sowie Probleme bei der Sprache, sog. Dysphasien. Diese Krankheitszeichen werden auch als Migräneaura bezeichnet. Die Migräneaura baut sich meistens innerhalb von fünf bis dreißig Minuten auf und klingt dann innerhalb einer Stunde wieder ab. Der eigentliche Migräneanfall folgt dann unmittelbar nach dem Ende dieser „Auraphase“. Von einer Migräne mit prolongierter (= verlängerter) Aura spricht man, wenn mindestens eines der typischen Migräneaura-Symptome mehr als 60 Minuten aber weniger als eine Woche anhält.

Bei der Migräne ohne Aura hingegen gibt es diese Anfangsphase nicht: Das „Migräne-Opfer“ wird vor vollendete Tatsachen gestellt: Der Migräneanfall bzw. die Migräneattacke ist plötzlich einfach da. Manche Menschen erahnen allerdings auch hier erste Symptome des sich anbahnenden Migräneanfalls einige Zeit vorher.

Die Migräne mit der familiären hemiplegischen (= mit einer Halbseitenlähmung einhergehenden) Aura muß bei mindestens einer verwandten Person ersten Grades das gleiche Krankheitszeichen aufweisen.

Die Basilaris-Migräne ist durch Kopfschmerzen gekennzeichnet welche mit Krankheitszeichen des Gehirns einhergehen (z.B., Doppelsehen, Schwerhörigkeit, sensible oder motorische Störungen, Schwindel, etc.).

Typisch für die ophthalmoplegischen Migräne sind dagegen Schmerzattacken, verbunden mit einer Lähmung der Augenmuskulatur.

Bei der retinalen Migräne können die Kopfschmerzen von einem einseitigen Gesichtsfeldausfall oder einer Erblindung begleitet werden. Die Symptome verschwinden wieder innerhalb maximal einer Stunde.

Geteilte Ansicht ist die Fachwelt bei den nur bei Kindern auftretenden „Periodischen Syndromen“, wie „Paroxysmaler Schwindel“ oder „Alternierende Hemiplegie“ (= abwechselnde Halbseitenlähmung): Die Frage kreist immer um den Punkt, ob diese Krankheitsbilder auch wirklich der Migräne zugeordnet werden dürfen. Dieses wird zum Teil erschwert durch die Tatsache, dass diese migräneartigen Symptome mit Störungen der Hautempfindlichkeit oder Beweglichkeit sowie vegetativen Krankheitszeichen verbunden sein können, man mutmaßt, dass diese Erscheinungen sogar epileptiformer (= fallsuchtartiger) Natur sein können. Ein Kennzeichen der "kindlichen Migräne" dagegen sind Bauchschmerzen, verbunden mit Übelkeit bis hin zu Erbrechen oder zumindest Brechreiz, z. T. erhöhte Temperatur, aber oftmals ohne Kopfschmerzen.

Eine Migräne-Komplikation ist der Status migraenosus: Bei dieser Krankheitsform bleiben die Kopfschmerzen länger als 72 Stunden, trotz jeglicher Behandlung. Eine weitere Komplikation ist der Migränöse Infarkt. Dieser liegt vor, wenn ein ischämischer (= durch Blutmangel bedingter) Hirninfarkt nachgewiesen werden kann, oder die Migräneaura nicht binnen 7 Tagen abgeklungen ist.  

Auslöser


Es existieren eine ganze Reihe möglicher Auslöser für einen Migräneanfall bzw. eine Migräneattacke:

-

Stress


-

Seelische Anspannung


-

Rotwein


-

Käse


-

Süßigkeiten


-

öffentlicher Streß (lärmende Kneipen, etc.)


-

Tabakrauch



Diese Auslöser sollte ein Migränepatient bei sich genau beobachten. Denn diese individuelle Kenntnis ist später im Rahmen der Migränetherapie, besonders bei der Migräneprophylaxe, von wichtiger Bedeutung. Es gibt aber auch Migränepatienten deren Beschwerden überhaupt nicht im Zusammenhang mit derartigen Auslösern stehen.

Ursache


Die Ursache der Migräne ist leider noch nicht vollständig bekannt. Deshalb richtet sich die moderne Migränetherapie heute in erster Linie auf die Linderung im Anfall und die Migräneprophylaxe (=Vorbeugung).

Verwandte Kopfschmerz-Arten


Beim Thema Migräne müssen differentialdiagnostisch (= welche Krankheiten sonst noch in Betracht kommen) folgende Kopfschmerzformen berücksichtigt werden:

- Primäre Kopfschmerzen

-

Spannungskopfschmerz (Kopfschmerzen vom Spannungstyp)


-

Cluster-Kopfschmerzen (Cluster Headache)


-

Vertebragene Kopfschmerzen


-

Zervikogene Kopfschmerzen


-

SUNCT-Syndrom


-

Hemicrania continua


-

Okzipitalneuralgie


-

paroxysmale Hemikranie


-

Neck-tongue-Syndrom


-

Raeder-Syndrom


- Symptomatische Kopfschmerzen (Sekundäre Kopfschmerzen)

- Kombinationskopfschmerzen

Primäre Kopfschmerzen sind eigenständige Schmerzkrankheiten, d. h. sie sind nicht das Krankheitszeichen einer anderen Erkrankung. Dieser Gruppe ist auch der Migränekopfschmerz zuzuordnen. Anders ist es bei den sekundären Kopfschmerzen, denn hier gibt es eine klar greifbare organische oder psychische Ursache in Form einer anderen Krankheit.

Kombinationskopfschmerzen sind eine Kombination aus verschieden Kopfschmerzarten. Im Zusammenhang mit der Migräne gibt es zwei Varianten: Spannungskopfschmerz und Migräne oder Migräne und sog. Ergotamin-Kopfschmerzen
(Schmerzmittel-Kopfschmerzen).

Die Abgrenzung zu anderen Kopfschmerz-Arten ist bei Migränepatienten sehr wichtig, da Verwechslungen mit anderen Kopfschmerzformen sehr leicht passieren können. Die wohl häufigste Verwechslung besteht zwischen der Migräne und dem Spannungskopfschmerz.

Untersuchung



Bei Verdacht auf Migräne muß ein Facharzt konsultiert werden. Wir empfehlen ebenfalls einen erfahrenen Schmerztherapeuten zu kontaktieren (Facharzt mit Weiterbildung Spezielle Schmerztherapie). Er untersucht ob eine Migräne bzw. ein Migränekopfschmerz tatsächlich vorliegen, um welchen Typ es sich handelt oder ob eine andere Kopfschmerzart behandelt werden muß.

Zudem ist eine genaue Schmerzanamnese (= Erhebung der Vorgeschichte) wichtig, denn sie kann u. U. auf mögliche organische Ursachen hinweisen. Mit Hilfe standardisierten Fragebogen werden dann weitere wichtige Aspekte erfaßt. Lokalisation, Dauer und Häufigkeit der Migränekopfschmerzen sowie Details zur Schmerzqualität sind zu berücksichtigen. Für die Migräne-Behandlung selbst sind zudem die genauen Auslösesituationen oder- mechanismen äußerst wichtig. Dazu gehört auch die Frage nach bisherigen, erfolglosen Migränetherapieversuchen. Hinweise zum Erfolg einer Migränetherapie wird, besonders im Rahmen der Migräneprophylaxe (Migränevorbeugung), erst durch die systematische Dokumentation aller Kopfschmerzereignisse innerhalb eines längeren Zeitraums abwägbar. Wichtig ist auch die biographischen Anamnese (= Erhebung der Vorgeschichte unter psychosozialen Aspekten). Hieraus erkennt der Fachmann den Stellenwert psychisch-seelischer Belastungen auf das Schmerzgeschehen im Sinne einer Beschwerdeverstärkung oder gar -auslösung.

Migräne-Behandlung


Es existieren heutzutage im Bereich der Migräne sehr viele unterschiedliche Therapiekonzepte. Aber zunächst unterscheidet man bei der Migränetherapie drei Ansätze:

-

Therapie der akuten Migräneanfälle


-

Prophylaktische (=vorbeugende) Migränetherapie


-

Ergänzende Methoden zur Migräne-Behandlung



Als erstes muß ein Patient eingehend über die Migräne allgemein sowie über bestehende Behandlungsmöglichkeiten, speziell auch mögliche Migränemittel informiert werden. Anamnestisch (= aus der Vorgeschichte) eruierte Faktoren (z.B. Käse als auslösendes Element,…) sollten genauestens berücksichtigt werden. Ebenso hilfreich sind Ratschläge zur Lebensweise. So kann z. B. die Vermeidung von Streß einen sehr positiven Einfluß auf Häufigkeit und Intensität der Migräneattacken haben.

Therapie der akuten Migräneanfälle

Die Therapie des akuten Migräneanfalls erfolgt in der Regel zunächst medikamentös durch ein entsprechendes Migränemittel. Entscheidend ist dabei der Hinweis, dass Analgetika (= Schmerzmittel) möglichst früh eingenommen werden sollen, d.h. sobald die ersten Migräneanzeichen (d. h. die Migränekopfschmerzen) auftauchen.

Als Migränemittel der ersten Wahl gilt noch immer Acetylsalicylsäure (ASS), z.B. Aspirin® (1-1,5 g). Bei ungenügender Wirkung dieses Mittels empfiehlt sich ein Versuch mit Paracetamol, z.B. ben-u-ron®, (1-1,5 g, in Form von Tabletten, Saft oder Zäpfchen). Nichtsteroidale Antirheumatika (z.B. Naproxen, Diclofenac, Ibuprofen) sind als Migränemittel ebenso wirksam wie ASS, die Nebenwirkungen sind vergleichbar gering, wenn nicht geringer. Besonders magenverträglich sind die sog. COX-2 Inhibitoren, z.B. Parecoxib (Dynastat®) oder Etoricoxib (Arcoxia®), allerdings gibt es Hinweise daß diese (Stoff-)Gruppe mit einem Herz-/Kreislauf-Risiko verbunden ist, zumindest bei längerer Therapiedauer. Möglich wäre auch, dass man Parecoxib oder Etoricoxib wieder vom Markt nimmt, wie das bereits schon bei anderen Mitteln dieser Gruppe zuvor bereits geschehen ist. Bei stärkeren Migränekopfschmerzen ist auch eine Kombination von beispielsweise 1g ASS mit 1g Paracetamol denkbar. Auch ein Versuch mit Metamizol (z.B. Novalgin®) kann unternommen werden.

Weitere, potente Migränemittel sind sog. Triptane, z. B. der Serotoninantagonist (= Mittel, das dem Gewebshormon Serotonin entgegenwirkt) Sumatriptan (Imigran®). Die anfängliche Dosierung sollte max. 100mg zum Einnehmen betragen, alternativ können 6mg unter die Haut injiziert werden. Bei einer Wiederkehr des Kopfschmerzes darf diese Migräne-Behandlung höchstens zweimal in 24 Std. erfolgen. Medien haben in diesem Zusammenhang schon häufiger über ernste Nebenwirkungen berichtet, allerdings hat es sich in Praxis erwiesen daß das Verhältnis von Wirksamkeit und Verträglichkeit günstig ist wenn die Anwendungsbeschränkungen strikt eingehalten werden (Tfelt-Hansen 1993). Durch den relativ hohen Preis werden Triptane allerdings erst dann eingesetzt wenn andere Migränemittel nicht bzw. nicht mehr den gewünschten Erfolg bringen. Weitere Triptane für die medikamentöse Migräne-Behandlung sind:

1.

Almotriptan (Almogran®)


2.

Zolmitriptan (AscoTop 2,5®,)


3.

Naratriptan (Naramig®)


4.

Rizatriptan (Maxalt®)


5.

Frovatriptan (Allegro®)


6.

und seit 2002 Eletriptan (Relpax®)



Aber: Zur Behandlung der hemiplegischen und der ophthalmoplegischen Migräne, ebenso bei der Basilaris-Migräne sind Triptane gänzlich ungeeignet.

Ergotaminpräparate gehören zu den klassischen Migränemitteln zur Kupierung von Migräneanfällen. Leider sind aber wegen der in Frage kommenden, möglichen Nebenwirkungen nicht ganz unproblematisch. Die Gefahr der Gewöhnung und des Auslösens eines zusätzlichen Dauerkopfschmerzes steigt synchron zur Einnahmehäufigkeit, die Medizin spricht dann von einem sog. Ergotamin-Kopfschmerz. Deswegen dürfen pro Woche maximal 6mg und pro Migräneattacke nicht mehr als 4mg Ergotamintartrat eingenommen werden (Göbel, Ensink et. Soyka 1994).
  Grundsätzlich ist es so, daß man bei der Migränetherapie die Verwendung von Migränemitteln in Form von Mischpräparaten (z.B. Ergotamintartrat mit Koffein oder Prophyphenazon, Codein, Paracetamol usw.) strengstens vermeiden sollte.

Auf dieser Stufe der Therapie kann auch die Injektion von Dihydroergotamin (Hydergin®) i.m. (= in den Muskel) oder ganz langsam i.v. (= in eine Blutader) versucht werden (1-1,5mg). 
Besonders bei ausgeprägten, vegetativen Migränebegleiterscheinungen ist die zusätzliche Gabe von 1-2 mg Flunitrazepam (Rohypnol®) (= ein Schlafmittel) sinnvoll, auch unter dem Aspekt weniger Schmerzmittel zu verwenden, zumal der Patient in dieser Situation ohnehin zumeist das Bedürfnis hat sich hinzulegen.
Werden die Migränekopfschmerzen von Übelkeit, Brechreiz und Erbrechen begleitet (evtl. auch schon vor dem Auftreten der Kopfschmerzen), kann die Gabe von Metoclopramid (Paspertin®) sehr effizient sein (Einnahme als Tablette oder als Zäpfchen bis zu 20mg, injiziert (i.m. oder i.v.) 10mg). Metoclopramid soll auf keinen Fall an Kinder unter 10 Jahren verabreicht werden. Es ist von großem Vorteil, diese Substanz zeitlich vor einem anderen Analgetika einzunehmen, weil Metoclopramid die Darmtätigkeit steigert und somit die Resorption (= Aufnahme im Darm) anderer verabreichter Mittel fördert. Alternativ kann aber auch der Dopamin-Antagonist Domperidon (Motilium®) eingesetzt werden, Tabletten oder Tropfen bis zu maximal 30mg sind hier der Rahmen.
Bei der stationären Behandlung oder innerhalb eines separaten Raums einer Arztpraxis hat sich des weiteren die Verabreichung einer Infusion (500ml Kochsalzlösung) mit 1g ASS (Aspisol®) kombiniert mit 10mg Metoclopramid (z.B. Paspertin®) und 1-2mg Flunitrazepam (z.B. Rohypnol®) sehr gut bewährt. Bei starken Migräneschmerzen werden hierzu zusätzlich 50-100mg Tramadol (z.B. Tramal®) verabreicht.

Die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) ist bei einer akuten Migräneattacke nicht gerade von großem Nutzen. Allerdings kann sie bei frühzeitiger Durchführung die Migränesymptomatik deutlich abmildern: Andere Schmerzmittel sind dann nicht mehr oder nur noch in sehr geringer Dosis nötig. In der Schmerzklinik Bad Mergentheim werden wiederholt, vorzugsweise mit dem lang wirkenden, örtlichen Betäubungsmittel Bupivacain, die Nerven supraorbitales (= Nerven an der Augenbraue), occipitales majores (= Nerven am Hinterkopf) und minores blockiert und parallel dazu die Schläfenregion auf beiden Seiten infiltriert. Obwohl Migränekopfschmerzen meist nur einseitig auftreten hat die langjährige Erfahrung bewiesen, dass es effektiver ist, beide Seiten des Kopfs zu therapieren. Diese schmerztherapeutische Behandlung ist zudem sehr risikoarm und fast ohne Nebenwirkungen.

Wenn heftige Migräneanfälle öfters (d. h. mehrmals pro Woche) auftreten, sind im Rahmen unserer stationären Migräne-Behandlung gezielte Betäubungen des Ganglion stellatum (= eine vegetative Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) in engmaschiger Abfolge eine sehr gute Unterstützung.
Geht die Migräneerkrankung in einen Status migraenosus (= länger als 72h anhaltender Migräneanfall) über, so ist eine stationäre Be-handlung in einer anerkannten Fachklinik für Schmerztherapie wirklich sehr zu empfehlen, so die Schmerzklinik in Bad Mergentheim.

Ansonsten sind bei akuten Migräneanfällen allgemeine Maßnahmen wie Reizabschirmungen (verdunkeltes Zimmer, absolute Ruhe,…) angesagt. Meistens ist zudem das einfache, ruhige und völlig entspannte Liegen auf dem Rücken hilfreich.

Prophylaktische (= vorbeugende) Migränetherapie:
Eine Migräneprophylaxe sollte frühestens erst dann erfolgen, wenn die Migräneattacken mehr als zweimal im Monat auftreten. Allerdings wird in diesem Zusammenhang die Beratung bei einem qualifizierten Schmerztherapeuten empfohlen, da bei der regelmäßigen Einnahme von Medikamenten einige wichtige Aspekte beachtet werden müssen. Nach Göbel und Soyka (1994) ist die Indikation zur Migräneprophylaxe auch dann gegeben, wenn im bisherigen Verlauf mindestens zweimal ein Status migraenosus, die Migräneerkrankung mit prolongierter (= verlängerte) Aura oder einmalig ein migränöser Infarkt aufgetreten sind.

Als gängiges Mittel werden sog. Beta-Rezeptorenblocker (= eigentlich Blutdruckmittel, die aber auch gegen Migräne wirken) verabreicht, allerdings haben nicht alle Substanzen aus dieser Gruppe die gewünschte Wirkung der Prävention. Relativ sicher wirken Propanolol und Metoprolol, beide Mittel werden langsam einschleichend individuell dosiert. Die tägliche Höchstdosierung für Metoprolol (z.B. Beloc®) liegt bei max. 200mg, für Propanolol (z.B. Dociton®) bei max. 240mg. Treten nicht tolerierbare, orthostatischer (= den Kreislauf betreffende) Störungen auf oder eine Bradykardie (= zu langsamer Puls) muß diese Art der Migräneprophylaxe (ausschleichend) beendet werden. Zur Kontrolle erfolgen deshalb in der Einschleichphase regelmäßige Blutdruck- und Pulskontrollen. Die Wirkungsweise von Beta-Blockern in Bezug auf den reinen Migränekopfschmerz ist noch nicht eindeutig erforscht.

Zur Intervalltherapie des Migränekopfschmerzes eignen sich auch sog. Kalzium-Antagonisten (= ein Mittel das der Wirkung von Kalzium entgegenwirkt). Flunarizin (Sibelium®), als ein Beispiel, kann hier verwendet werden. Allerdings, gemäß einer Bewertung des Bundesgesundheitsamt, sollte diese Substanz nur eingesetzt werden bei Patienten, die unter häufigen und schweren Migräneanfällen leiden und bei denen eine vorbeugende Migräne-Behandlung mit Beta-Blockern kontraindiziert (= gegenangezeigt) ist, bzw. keine zufriedenstellende Wirkung zeigt. Cyclandelat (Natil®) dagegen sollte gemäß einer Studie nicht zur Migräneprophylaxe verwendet werden.
Die 3. Wahl einer Prophylaxe gegen den Migränekopfschmerz besteht auch hier in der Verabreichung von sog. Serotonin-Antagonisten. Pizotifen (Sandomigran®) hat einen hemmenden Effekt im Anfangsstadium einer Migräne. Lisurid (Cuvalit®) ist ein Ergotamin–Derivat und zugleich ein sog. Serotonin-Partialantagonist. Als Tagesdosis sind 0,075 mg empfohlen. Die Erfahrung hat hier allerdings, im Gegensatz zu anderen Autoren (Soyka 1989), keine überzeugenden Ergebnisse geliefert, weshalb dieses Mittel nur noch relativ selten eingesetzt oder empfohlen wird.

Zur Schmerzprophylaxe bei der sog. menstruellen (= regelbedingten) Migräne wird manchmal Sulpirid empfohlen (Thoden 1986). Andere Quellen raten, z. B. Göbel und Soyka (1994), hier zur "Kurzzeitprophylaxe" mit 250-500 mg Naproxen, vier Tage vor der erwarteten Regel bis drei Tage danach.
Das Derivat der Lysergsäure, Dihydroergotamin (Hydergin®) ist zur Prävention der Migränekopfschmerzen sehr umstritten. Es wird beispielsweise in anglo-amerikanischen Ländern nicht verwendet. Zur Migräneprophylaxe soll u. U. auch das Antiepileptikum (= Mittel gegen die Fallsucht) Gabapentin (Neurontin®) eingesetzt werden können, möglicherweise ebenso Pregabalin (Lyrica®).

Treten Migräneanfälle gehäuft auf, zum Beispiel mehrmals pro Woche und helfen auch vorbeugende Medikamente nicht, kann die therapeutische Lokalanästhesie (= Behandlung mit einem örtlichen Betäubungsmittel) empfohlen werden. Wird sie über 2-3 Wochen unter stationären Bedingungen 2x täglich konsequent durchgeführt, sind die langzeitigen Erfolge nach der Erfahrung der Schmerzklinik Bad Mergentheim in der Regel sehr gut. Dabei werden, wie zur akuten Migräne-Behandlung schon beschrieben, die das Kranium (= den knöchernen Schädel) versorgenden Nerven an ihren Austrittspunkten betäubt, was eine Entspannung des gesamten Bereichs und des (auslösenden) Nervensystems bewirkt.
Die Wirkungsweise dieser innovativen Migränetherapie ist noch nicht geklärt, es wird vermutet, dass der Ansatz eine tiefgreifende neurovegetativen Umstimmung des Gesamtsystems und damit eine Linderung des Migräneleidens bewirkt.  Diese Wirkungsvorstellung ähnelt stark dem neuraltherapeutischen Konzept. Allerdings wird im Unterschied das langwirkende örtliche Betäubungsmittel Bupivacain verwendet, statt Procain, wie bei der Neuraltherapie üblich.

Ergänzende Methoden zur Migräne-Behandlung:
Es existieren heute zahlreiche ergänzende Methoden. Als reine Monotherapie (= alleinige Behandlung) sind diese Methoden bei der Migräne-Behandlung in der Regel allerdings leider nicht ausreichend. Eines der klassischen Anwendungsgebiete für die Akupunktur sind Kopfschmerzen. Zur Migräne-Behandlung durch die Akupunktur dominieren Nadelpunkte auf dem Gallenblasen-Meridian, wie z.B. die Punkte 3, 17, 40 und 43, zusätzlich das sog. Lenkergefäß 25 in der Mitte der Nasenwurzel (Kossmann et al. 1986). Die Behandlung der Migräne mit Akupunktur zeigt zwar teilweise gewisse Ergebnisse, leider existieren aber noch immer keine wissenschaftlich exakten Nachweise, was eine Anerkennung des Verfahrens in der Fachwelt nicht gerade einfacher macht.
Die sog. „Transkutane Nervenstimulation“ (TENS) mittels Niederfrequenzgenerator über Klebeelektroden kann bei Migränekopfschmerz durchaus eine Linderung bringen, und manchmal auch den Ausbruch einer Migräneattacke verhindern. Hierbei gilt, wie beim Einsatz der meisten Migränemittel, dass die Therapie bereits bei den ersten Anzeichen eines Migräneanfalls durchgeführt werden muß. Viele Migränepatienten klagen, daß auch im schmerzfreien Intervall die Muskulatur im Halswirbelsäulenbereich und im Bereich der Schultern (stark) verspannt ist. In diesen Fällen haben sich physikalischen Therapiemaßnahmen (Fango, Kältebehandlung) und Krankengymnastik bewährt. Manchmal kann sogar eine manuelle Lymphdrainage im Bereich von Kopf und Hals eine deutliche Linderung der migränebedingten Kopfschmerzen bewirken. 
Erwähnenswert ist bei der Migräne auch die Hydrotherapie, in Form von Wechselbädern der Extremitäten (=Arme und Beine) und/ oder Kneippschen Güssen. Wahrscheinlich steht der oft zu beobachtende, positive Effekt im Zusammenhang mit einer neurovegetativen Umstimmung im Sinne eines ganzheitlichen Behandlungsansatzes. Gute Ergebnisse liefert bei der Migräne auch Biofeedback (= Registrierung und Rückmeldung bioelektrischer Signale). Ebenso können sog. „psychologischen Interventionen“ Migränekopfschmerzen reduzieren: Hier sind hauptsächlich div. Entspannungstechniken, sowie das Streß- und Schmerzbewältigungstraining aufzuführen.
Quellen: Schmerzklinik Bad Mergentheim Prof. Dr. med. Rolf Leeser: „Ambulante und Stationäre Therapie chronischer Scherzen“